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Notdienst für’s Pferd

By 27. November 2022

Manchmal müssen Pferdebesitzer bei bis zu fünf Praxen anrufen, um eine Tierärztin zu finden, die zu einem Notfall kommt, weil „ihr“ Tierarzt weit weg oder nicht erreichbar ist. Das ist Stress, in einem Moment, in dem Sie Hilfe brauchen.
Sie möchten eine Nummer anrufen und nicht Nachrichten auf mehreren Mailboxen hinterlassen. Sie wollen wissen, ob und wann Hilfe kommt von einem Tierarzt, der das Problem Ihres Pferdes lösen kann. Am liebsten noch zu einem fairen Preis. Wichtig wäre auch, dass ihre Haustierärztin im Anschluss eine Rücküberweisung bekäme.

Wo liegt das Problem?

Im Moment regelt jede Pferdepraxis und Klinik ihren eigenen Notdienst. Aber es fehlt Nachwuchs, weil junge Kollegen Arbeitsplätze mit viel und schlecht bezahltem Notdienst – zu Recht – unattraktiv finden. Das geltende Arbeitsrecht (es dürfen nicht mehr als elf Stunden Bereitschaftsdienst am Stück geleistet werden) ist kaum einzuhalten und die für den Notdienst erforderliche Menge von Assistenztierärzten kann sich im Praxisalltag kaum eine Praxis leisten. Die Konkurrenz unter den Pferdetierärzten ist groß, deshalb kann die GOT (Gebühren Ordnung für Tierärzte) oft nicht durchgesetzt werden. Am Ende zahlen Pferdepraxen im Notdienst drauf.
Pferdetierärzte fahren im Notdienst für einzelne Behandlungen oft lange Strecken zu „ihren Kunden“. Die Verkehrssituation im Nordwesten Hamburgs ist schwierig und wir können nicht „schnell mal eben vorbeischauen“. Laut Gebührenordnung muss ein Pferdetierarzt, der 35 km gefahren ist, mindestens 70 € Anfahrtskosten und mindestens 30,68 € für eine Untersuchung und Beratung berechnen, dazu den 2fachen Satz für alle weiteren Leistungen. Das ist teuer für den Pferdebesitzer, aber der Tierarzt hat dann für eine Stunde Arbeit im Notdienst noch nicht einmal 30 € verdient.

Wie könnte eine Lösung aussehen?

Es geht nur über Zusammenarbeit von möglichst vielen Kolleginnen und Kollegen. Jedes Taxiunternehmen hat die Logistik, die wir brauchen, gut im Griff. Wenn es genügend Interesse gäbe, könnte man eine Zentrale Notdienstnummer für Schleswig-Holstein und Hamburg einrichten. Dort würden die Notrufe von geschultem Personal angenommen, in Dringlichkeitsstufen eingeteilt und weitergeleitet. Die teilnehmenden Praxen, Kliniken oder freien Mitarbeiter geben ihren Standort und ihre Bereitschaftszeiten und Ausrüstung an.
Alle Tierärztinnen behandeln im Prinzip gleich. Nur Tierärzte mit „Erfahrung“ machen mit. Qualität ist besonders wichtig.
Es sollte Standardpreise geben, der behandelnde Tierarzt rechnet über die Zentrale ab. Auch Rücküberweisungen an den „Haustierarzt“ erfolgen direkt. Das kann per App auf einem Tablett oder Smartphone oder auf Vordrucken direkt beim Patienten erfolgen.
Die Abrechnung für die Kundin kann über eine Verrechnungsstelle (nach Bonitätsprüfung) bar oder mit EC Karte und irgendwann vielleicht auch direkt über die Versicherung erfolgen. Die Art der Abrechnung klärt die Zentrale vorab.
Alle teilnehmenden Praxen können dann für den Notdienst ihr Telefon umleiten. Das bedeutet geregelte Arbeitszeiten. Die Wege werden kürzer, weil die nächstgelegene Kollegin fährt. Es gibt feste Preise und eine anständige Bezahlung. Die Zentrale erhebt eine Gebühr für den Service.

Wie finden Sie das?