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Herpes

By 27. November 2022

Liebe Pferdebesitzer und Besitzerinnen, 

Zurzeit ist eines der größten Probleme in der Praxis das Auftreten von Infektionskrankheiten. Wir haben mehrere Bestände, in denen fieberhafte Allgemeinerkrankungen aufgetreten sind. In  einigen Fällen waren Herpes Infektionen die Ursache. Das ist mehr oder weniger gefährlich für den  einzelnen Patienten, immer sehr besorgniserregend für die Besitzerinnen und Besitzer und  ausgesprochen stressig für das Management der Ställe und deren Mitarbeiter. Wir bemühen uns sehr allen Beteiligten mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. 

Sachinformationen zum Thema Herpes gibt es in sehr guter und verständlicher Form zum Bespiel auf  der Seite der Tiermedizinischen Universität in München. 

https://www.pferd.vetmed.uni-muenchen.de/inneremedizin-reproduktion/aktuelles/info-equides herpesvirus/index.html 

Auch die Tiermedizinische Hochschule in Hannover hat Material zur Herpes-1 Infektion beim Pferd Herausgegeben. Die Sie sicher interessieren wird.  

Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover  

University of Veterinary Medicine Hannover  

Besitzerinformation zu Herpesvirusinfektionen  

Klinik für Pferde, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover  

Klinik für Pferde  

Prof. Dr. Karsten Feige 

Bünteweg 9  

30559 Hannover  

Tel. +49 511 953-6500  

Fax +49 511 953-6510  

E-Mail: Pferdeklinik@tiho-hannover.de 

Herpesvirusinfektionen (EHV-1 – equines Herpesvirus-1) können bei  

hochtragenden Stuten Aborte auslösen, aber auch zu Atemwegsinfektionen und  Erkrankungen des Nervensystems führen. Die EHV1-Infektion wird als  

Tröpfcheninfektion über direkten Pferdekontakt, aber auch durch verunreinigte  Gegenstände und Personen auf andere Pferde übertragen. Über eine begrenzte  Zeit ist auch eine  

Ansteckung durch die Viren in der Umgebungsluft möglich. Die Inkubationszeit  (Zeit von der Ansteckung bis zum Auftreten von Symptomen) ist i.d.R. kurz (24-48  h), kann aber abhängig von individuellen Faktoren sehr variabel sein. Insbesondere  bei Aborten sind Inkubationszeiten von mehr als 14-21 Tagen keine Seltenheit.  

Symptome  

Bei allen Ausbrüchen von EHV-1-Infektionen ist das Auftreten von Erkrankungen  des Nervensystems  

(neurologische Verlaufsformen) bei bis zu 30 % der Pferde möglich. Die  anfänglichen klinischen Symptome sind unspezifisch. Typischerweise zeigen  betroffene Pferde eine kurze Fieberphase, diese kann allein auftreten oder in  Kombination mit Atemwegssymptomen (Nasenausfluss). Bei der neurologischen  Verlaufsform zeigen die Pferde einige Tage nach der ersten Fieberphase  Koordinationsstörungen (Ataxie). Harn- und Kotabsatzschwierigkeiten können  zusätzlich auftreten und gehen meist mit einer zweiten Temperaturerhöhung (in  Folge einer Virämie) einher. Die neurologischen Symptome können sich rasch bis  hin zum Festliegen verschlechtern. Innerhalb von 24 bis 48 Stunden stabilisiert sich  der Zustand der Patienten in der Regel.  

Vorgehen  

Bei Verdacht einer Herpesvirusinfektion ist es wichtig, das betroffene Pferd sofort  zu isolieren und frühzeitig Untersuchungen zur Sicherung der Diagnose einzuleiten.  Der Isolationsstall sollte möglichst weit entfernt von den Plätzen mit hohem  Verkehrsaufkommen an Menschen und Tieren (Ställe, Reitplätze, Reithalle) liegen.  Die Kontaktpferde sollten in ihren Ställen verbleiben und der Kontakt mit anderen  Tieren unterbunden werden. Solange die Diagnose EHV-1–Infektion bei dem  erkrankten Pferd noch nicht durch ein positives PCR-Ergebnis gesichert ist, sollten  gemeinsam verwendete Flächen wie  

Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover Bankverbindung  

Der Präsident Norddeutsche Landesbank Hannover  

Bünteweg 2 BLZ 250 500 00  

30559Steuer-Nr. 25/202/26506 Hannover Konto 106 031 016 IBAN DE20 2505 0000 0106 0310 16  

Ust-ID-Nr. DE 233060166 SWIFT-BIC: NOLA DE 2H www.tiho-hannover.de  Reithallen, Reitplätze etc. von den Kontaktpferden nur zu Zeiten genutzt werden, in  denen keine anderen Pferde dort sind.  

Es sollte geklärt werden, ob das erkrankte Pferd Kontakt zu anderen Pferden hatte,  bei denen eine 

EHV-1-Infektion bestand. Auch andere Infektionskrankheiten sind häufig durch  direkten Kontakt von Pferd zu Pferd übertragbar und müssen ausgeschlossen  werden. Daher ist die Isolation fieberhafter Pferde in jedem Fall anzuraten.  Treten bei einem Pferd Fieber, Atemwegssymptome (Nasenausfluss) und/oder  neurologische  

Symptome auf, sollte umgehend ein Tierarzt hinzugezogen werden und der  Transport des betroffenen Pferdes sowie seiner Kontaktpferde sollte unbedingt  vermieden werden. Bis die Diagnose durch Laboruntersuchungen gesichert ist,  sollte jeglicher Pferdeverkehr in und von dem betroffenen Betrieb unterbleiben.  Offensichtlich gesunde Pferde, die dem Virus ausgesetzt waren, können als  Virusträger die Infektion an andere Pferde übertragen, wenn sie z.B. auf einem  Lehrgang oder Turnier in Kontakt mit anderen, bislang gesunden, Pferden  kommen.  

Auch bei den klinisch unauffälligen Pferden sollten stressauslösende Situationen  (anstrengende Arbeit usw.) vermieden werden, da Stress ein die Infektion  begünstigender und vor allem den klinischen Verlauf potenziell verschlechternder  Faktor ist.  

Es sollte eine Desinfektion potenziell kontaminierter Ställe, Pferdetransporter und  Gerätschaften durchgeführt werden. EHV-1 kann in der Umgebung über mehrere  Wochen infektiös bleiben, ist aber gut durch übliche Desinfektionsmittel zu  inaktivieren. Geeignet sind beispielsweise Phenol- oder Detergens-haltige  Präparate. Auch Menschen, die mit EHV-1-infizierten Pferden Kontakt haben,  können als Überträger des Virus dienen. Darum ist Händewaschen und ein Wechsel  der Kleidung nach dem Kontakt zu erkrankten Pferden essentiell zur Unterbindung  der weiteren Ausbreitung der Erkrankung. Menschen, die mit erkrankten Pferden  in Kontakt waren sind nicht gefährdet, da die Erkrankung nicht vom Pferd auf den  Menschen übertragbar ist.  

Maßnahmen durch den Tierarzt  

Zur möglichst raschen Diagnosefindung sollte der untersuchende Tierarzt Blut (mit  EDTA zur Koagulationshemmung) und einen Nasentupfer in Virusisolationsmedium  zum Virusnachweis durch Anzucht bzw. PCR-Verfahren entnehmen und an ein  geeignetes Labor einsenden.  

Zusätzlich sollte eine serologische Untersuchung eingeleitet werden, bei der der  Antikörpertiter in zwei Serumproben im Abstand von 10 bis 21 Tagen bestimmt  wird. Ein Titeranstieg um i.d.R. mindestens das Vierfache des Ausgangswertes ist  diagnostisch für eine Erkrankung. Liegt bei einer einzelnen Titerbestimmung der  Titer mindestens bei 1:1024 ist eine akute EHV-Infektion sehr wahrscheinlich.  

Sobald der Nachweis einer EHV-1-Infektion erbracht ist, müssen  Quarantänemaßnahmen ergriffen werden um eine weitere Ausbreitung der  Erkrankung zu verhindern. Dazu ist eine Quarantäne aller Pferde des gesamten  Stalls notwendig. Direkt mit den erkrankten Pferden in Kontakt stehende Pferde  sollten engmaschig überwacht werden und es sollte zweimal täglich die  Körperinnentemperatur bestimmt werden. Bei Auftreten von Fieber, Nasenausfluss  oder neurologischen Symptomen, sollte eine PCR-Untersuchung auf EHV-1  durchgeführt werden. 

Einmal EHV-1-positiv getestete Pferde sollten nach Abklingen der klinischen  Symptome erneut per PCR auf EHV-1 getestet werden bis das PCR-Ergebnis negativ  ist. Da erkrankte Pferde bis mehrere Wochen nach Abklingen klinischer Symptome  noch Virus ausscheiden können, sollte die Quarantäne erst 28  

Tage nach Auftreten des letzten Erkrankungsfalls aufgehoben werden. Alternativ  kann die  

Quarantänezeit auf 14 Tage verkürzt werden, wenn im Anschluss an diese  Quarantänezeit in Nasentupfern aller Pferde, die per realtime PCR-Untersuchungen  an zwei bis vier aufeinanderfolgenden Tagen untersucht wurden, keine Virus-DNA  nachgewiesen wurde.  

Impfungen  

In Deutschland sind zurzeit zwei verschiedene Impfstoffe erhältlich. Zum einen  steht ein modifizierter  

Lebendimpfstoff (Prevaccinol®) zur Verfügung, zum anderen ein inaktivierter  Impfstoff (Equip EHV 1,4®). Bislang existiert kein Impfstoff, der zuverlässig einen  Schutz vor Infektion induziert. Der Nutzen der Impfung besteht vielmehr darin, den  Schweregrad der Erkrankung und die Menge an ausgeschiedenem Virus bei  geimpften Pferden zu reduzieren um die Ansteckungsgefahr für andere Pferde zu  reduzieren.  

Im Falle eines Ausbruchs kann die Booster-Vakzinierung von Pferden im Bestand,  die keinen Kontakt zu erkrankten Tieren haben und hatten, klinisch gesund sind  und in der PCR-Untersuchung negativ auf EHV-1 getestet wurden, möglicherweise  vorteilhaft sein, sofern die letzte EHV-Impfung mindestens 90 Tage zurück liegt. Es  ist nicht beschrieben, dass dieses Vorgehen zu Komplikationen geführt hat.  Kontakttiere zu EHV-1-erkrankten Pferden und Pferde mit gestörtem  Allgemeinbefinden sollen eher nicht geimpft werden.  

Die wichtigsten Maßnahmen um eine Ausbreitung der EHV-1-Infektion zu  verhindern sind die konsequente Durchführung der Isolations- und  Quarantänemaßnahmen und die strikte Einhaltung der Hygieneregeln im Umgang  mit betroffenen Pferden und potenziell kontaminierten Gegenständen. Die  Impfung ist ausdrücklich integraler Teil der Hygienemassnah